Private Krankenversicherung Vor- und Nachteile
Die Entscheidung zwischen gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und Privater Krankenversicherung (PKV) gehört zu den wichtigsten Weichenstellungen im Bereich der Gesundheitsvorsorge. Die PKV bietet viele Vorteile, hat aber ebenso klare Nachteile – je nach Lebenssituation kann sie die beste oder auch die falsche Wahl sein. Diese Übersicht hilft dabei, eine informierte, realistische Entscheidung zu treffen.
Vorteile der PKV
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Höhere medizinische Versorgung & bessere Leistungen
Privatversicherte profitieren häufig von leistungsstarken Tarifen, darunter:
- Behandlung durch Spezialisten und Privatärzte
- Chefarztbehandlung und Ein-/Zweibettzimmer
- Kürzere Wartezeiten bei Fachärzten
- Hochwertige Leistungen bei Zahnbehandlungen & Kieferorthopädie
- Erstattung für alternative Heilmethoden (z. B. Heilpraktiker)
- Umfangreiche Vorsorge- und Präventionsleistungen
Viele Leistungen sind vertraglich garantiert – ein wesentlicher Unterschied zur GKV, deren Leistungsumfang politisch verändert werden kann.
- 2
Individuelle Tarifgestaltung
Versicherte können selbst bestimmen:
- ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen
- Höhe der Selbstbeteiligung
- Zusatzbausteine (Krankentagegeld, Vorsorge, Auslandsschutz)
- Leistungsniveau (Basis, Komfort oder Premium)
Dadurch lässt sich der Schutz exakt an persönliche Bedürfnisse anpassen.
- 3
Beitragsrückerstattungen
Wer keine Rechnungen einreicht, kann von Beitragsrückerstattungen profitieren – teils 1 bis 6 Monatsbeiträge pro Jahr.
Das lohnt sich besonders für Personen, die selten medizinische Leistungen benötigen. - 4
Attraktiv für Beamte, Selbstständige und gut verdienende Angestellte
Die PKV ist besonders vorteilhaft, wenn:
- Beamte die staatliche Beihilfe nutzen
- Selbstständige flexible Tarife benötigen
- Angestellte über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdienen
In diesen Fällen kann das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich besser als in der GKV sein.
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Umfassende stationäre Leistungen
Viele PKV-Tarife übernehmen Leistungen, die in der GKV oft Zusatzkosten verursachen, z. B.:
- freie Krankenhauswahl
- Unterbringung im Einbettzimmer
- Behandlung durch leitende Ärzte
Nachteile der PKV / Lösungen
- 1
Höhere medizinische Versorgung & bessere Leistungen
In der PKV benötigt jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag.
Besonders bei mehreren Kindern können dadurch höhere Gesamtkosten entstehen. - 2
Beiträge steigen im Alter weiter an
PKV-Beiträge erhöhen sich im Laufe der Jahre, was für viele Versicherte eine finanzielle Belastung werden kann.
Lösungsansatz:
- Rechtzeitig Altersrückstellungen aufbauen (oft bereits im Tarif enthalten, aber zusätzlich möglich).
- Tarifwechsel gemäß §204 VVG prüfen, um Beitragssenkungen ohne Leistungsabstriche zu erreichen.
- Optionstarife oder Beitragsentlastungstarife nutzen, die im Alter gezielt entlasten.
- 3
Gesundheitsprüfung bei Antragstellung
Tarife hängen vom Gesundheitszustand ab. Das bedeutet:
- Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen führen
- bestimmte Krankheiten können zu Ausschlüssen oder Ablehnungen führen
In der GKV spielt der Gesundheitszustand keine Rolle.
Lösungsansatz:
- Anonyme Risikovoranfragen stellen – ohne dass negative Einträge entstehen.
- Standard- oder Basistarife bieten teilweise Alternativen.
- Gesundheitsangaben mit Unterstützung professionell aufbereiten, um Rückfragen zu vermeiden.
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Wechsel in die GKV ist später schwer möglich
Ein Rückwechsel in die GKV ist für viele Berufsgruppen kompliziert oder kaum möglich, insbesondere für:
- Angestellte über der Versicherungspflichtgrenze
- Selbstständige
- ältere Versicherte
Die PKV ist daher eine langfristige Entscheidung.
Lösungsansatz:
- Frühzeitig beraten lassen und langfristig planen.
- Bei Lebensveränderungen (z. B. Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Teilzeit unter JAEG) entstehen manchmal kurzzeitige Optionen zur Rückkehr in die GKV.
- Spezialisierte PKV-Beratung kann prüfen, ob ein Wechsel sinnvoll oder notwendig ist – oder ob ein optimierter PKV-Tarif besser wäre.
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Vorleistung im Erstattungsprinzip
Anders als in der GKV wird oft nach dem Prinzip „Arzt stellt Rechnung → Kunde zahlt → PKV erstattet“ gearbeitet. Für manche ein Vorteil (Transparenz), für andere eine Belastung.
Lösungsansatz:
- Moderne PKV-Apps ermöglichen digitale Einreichung in Sekunden.
- Viele Anbieter übernehmen Rechnungen inzwischen direkt digital vom Arzt (z. B. via eRechnung).
- Bei hohen Rechnungen kann ein Vorkasse-Service der PKV genutzt werden.
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Aufwand für eigenständiges Rechnungsmanagement
PKV-Versicherte müssen Rechnungen selbst einreichen und verwalten. Digitale Apps erleichtern es zwar – aber ein kleiner Verwaltungsaufwand bleibt bestehen.
Fazit: Für wen lohnt sich die PKV – und für wen nicht?
Gute Gründe für die PKV:
- Beamte, Selbstständige, gut verdienende Angestellte
- Personen mit hohem Leistungsanspruch
- Menschen, die häufig Spezialbehandlungen benötigen
- Familien mit einem privatversicherten Elternteil (Kinder ab Geburt ohne Gesundheitsprüfung aufnehmbar)
- Personen, die Tarife aktiv gestalten und optimieren wollen
Gute Gründe für die GKV:
- Familien mit mehreren Kindern
- Menschen mit niedrigem Einkommen
- Personen mit chronischen Erkrankungen
- Personen, für die die GKV-Kosten niedriger sind als vergleichbare PKV-Tarife
- Menschen, die maximale Einfachheit und Planbarkeit wollen
Unsere Empfehlung: Vor- & Nachteile immer individuell bewerten
PKV oder GKV – die beste Lösung hängt immer von der Lebenssituation, dem Einkommen, der Familienplanung und dem Gesundheitszustand ab.
Als unabhängiger Versicherungsmakler helfen wir Ihnen:
- Leistungen und Tarife realistisch einzuordnen
- langfristige Kosten zu berechnen
- Vor- und Nachteile neutral abzuwägen
- den passenden Versicherer und Tarif zu finden

