Beamte
Öffnungsaktion der PKV für Beamte: mit Vorerkrankungen sicher versichert
Die Öffnungsaktion ist eine freiwillige Selbstverpflichtung vieler privater Krankenversicherer: Beamtenanfänger und ihre Angehörigen werden innerhalb von sechs Monaten nach der ersten Verbeamtung ohne Ablehnung aus gesundheitlichen Gründen und ohne Leistungsausschlüsse aufgenommen, der Risikozuschlag ist auf höchstens 30 % begrenzt.
Für Beamte mit chronischen Erkrankungen oder einer Behinderung ist das oft der einzige Weg in einen bezahlbaren Beihilfetarif. Hier lesen Sie, welche Bedingungen gelten, wie der Antrag abläuft und welche Fehler Sie vermeiden sollten.


Fachlich verantwortlich Mark Zimmermann, PKV-Experte seit 1993, Versicherungsmakler
Was ist die Öffnungsaktion?
Normalerweise prüft jeder private Krankenversicherer vor Vertragsschluss den Gesundheitszustand. Je nach Befund nimmt er an, verlangt einen Zuschlag, schließt Leistungen aus oder lehnt ab – mehr dazu unter Gesundheitsprüfung. Für Beamte wäre das besonders hart: Sie sind in der GKV versicherungsfrei, bekommen dort aber keinen Arbeitgeberanteil, und die Beihilfe ist auf eine private Restkostenversicherung ausgelegt.
Deshalb haben sich viele private Krankenversicherer freiwillig verpflichtet, Beamtenanfänger zu erleichterten Bedingungen aufzunehmen. Ein gesetzlicher Anspruch ist das nicht, sondern eine Selbstverpflichtung der teilnehmenden Unternehmen. Der PKV-Verband veröffentlicht die Bedingungen und die Liste der teilnehmenden Versicherer.
Die Bedingungen im Überblick
Nach den Angaben des PKV-Verbands gilt bei einer Aufnahme über die Öffnungsaktion:
- Anspruch auf Aufnahme in die normalen beihilfekonformen Krankheitskostentarife des Versicherers,
- keine Ablehnung wegen Vorerkrankungen oder Behinderung,
- keine Leistungsausschlüsse,
- Risikozuschlag höchstens 30 % des tariflichen Beitrags,
- kein Aufnahmehöchstalter,
- in der Pflegepflichtversicherung kein vom Gesundheitszustand abhängiger Zuschlag.
Zusatzbausteine wie eine Beihilfeergänzung oder ein Krankenhaustagegeld sind nicht automatisch umfasst. Fragen Sie nach, zu welchen Bedingungen Sie diese erhalten.
Wer kann teilnehmen – und bis wann?
Berechtigte
Die Öffnungsaktion gilt für Beamtinnen und Beamte auf Probe, auf Zeit und auf Lebenszeit. Seit dem 1. Januar 2019 sind auch Beamte auf Widerruf eingeschlossen, also Anwärter und Referendare im Vorbereitungsdienst. Voraussetzung ist, dass es sich um die erstmalige Verbeamtung handelt. Wie Anwärter die Öffnungsaktion mit einem Ausbildungstarif verbinden, lesen Sie unter PKV für Beamtenanwärter.
Die Sechsmonatsfrist
Den Antrag müssen Sie innerhalb von sechs Monaten stellen. Maßgeblich ist der Beginn des Beamtenverhältnisses, also in der Regel das Datum der Ernennung. Eine wichtige Ausnahme: Wer als Beamter auf Widerruf im Vorbereitungsdienst gesetzlich versichert war, erhält bei der Verbeamtung auf Probe erneut sechs Monate.
Nach Ablauf der Frist gelten die normalen Annahmerichtlinien. Notieren Sie sich das Datum der Ernennung und planen Sie Rückwärts: Für Anfragen, Arztberichte und den Vergleich brauchen Sie einige Wochen.
Altfälle aus der GKV
Nach den Angaben des PKV-Verbands können Beamte mit Vorerkrankungen oder Behinderung, die bereits vor dem 31. Dezember 2004 freiwillig gesetzlich versichert waren, jederzeit über die Öffnungsaktion in die PKV wechseln.
Wann sie nicht mehr greift
Haben Sie sich in einem Land mit pauschaler Beihilfe für die GKV entschieden und wechseln später in ein Land ohne dieses Modell, ist die Aufnahme über die Öffnungsaktion nach Angaben des PKV-Verbands nicht mehr möglich. Mehr dazu unter Pauschale Beihilfe.
Öffnungsaktion oder normale Gesundheitsprüfung?
| Merkmal | Öffnungsaktion | Normale Gesundheitsprüfung |
|---|---|---|
| Wer | Beamtenanfänger und ihre Angehörigen | alle Antragsteller |
| Frist | sechs Monate nach der ersten Verbeamtung | jederzeit |
| Ablehnung | nicht aus gesundheitlichen Gründen | möglich |
| Leistungsausschlüsse | keine | möglich |
| Risikozuschlag | höchstens 30 % des Tarifbeitrags | nach Risiko, ohne feste Obergrenze |
| Versicherer | nur teilnehmende Unternehmen | alle |
| Tarife | beihilfekonforme Krankheitskostentarife; Zusatzbausteine nicht automatisch | alle Tarife, je nach Annahme |
| Gesundheitsfragen | ja, vollständig zu beantworten (Grundlage des Zuschlags) | ja, vollständig zu beantworten |
Quelle: PKV-Verband, Merkblatt für Beamtenanfänger und Beamte auf Widerruf mit Vorerkrankungen (Stand September 2022), beamte-in-der-pkv.de. Stand Oktober 2026.
Angehörige: Wer profitiert mit?
Die Öffnungsaktion gilt nicht nur für den Beamten selbst. Nach den Angaben des PKV-Verbands können auch die engsten Angehörigen profitieren:
- Ehe- oder Lebenspartner, sofern sie nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig sind,
- eigene und adoptierte Kinder, ebenfalls nur ohne eigene Versicherungspflicht in der GKV.
Die Angehörigen müssen dabei erstmals beihilfeberechtigt werden. Bei Beamten auf Widerruf gilt die Erleichterung für Angehörige nur, wenn der Beamte selbst privat versichert ist oder eine Anwartschaft hat.
Für Partner gilt beim Bund zusätzlich die Einkommensgrenze der Beihilfe: Beihilfeberechtigt sind sie nur, wenn ihre Einkünfte im Vorvorjahr 22.648 € nicht übersteigen (Wert ab 2026). Für später geborene Kinder brauchen Sie die Öffnungsaktion nicht: Hier greift die Kindernachversicherung nach § 198 VVG ohne Gesundheitsprüfung, wenn Sie das Kind binnen zwei Monaten anmelden (siehe PKV für Kinder).
So läuft der Antrag ab
Frist festhalten
Notieren Sie das Datum Ihrer Ernennung. Ab dann haben Sie sechs Monate Zeit für den Antrag.
Unterlagen sammeln
Arztberichte, Diagnosen, Medikamente und Behandlungen der vergangenen Jahre – so vollständig wie möglich.
Unverbindlich anfragen
Holen Sie bei teilnehmenden Versicherern unverbindliche Angebote ein, am besten über eine anonyme Risikovoranfrage, und vergleichen Sie Leistungen und Zuschläge.
Erst dann formell beantragen
Stellen Sie den Antrag bei dem Versicherer, für den Sie sich entschieden haben, ausdrücklich im Rahmen der Öffnungsaktion. Nur der erste formelle Antrag bindet einen Versicherer.
Angehörige einbeziehen
Beantragen Sie Partner und Kinder rechtzeitig mit, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen.
Vertrag prüfen
Kontrollieren Sie Police, Zuschlag und Tarif. Notieren Sie, wann sich ein Zuschlag später überprüfen lassen könnte.
Öffnungsaktion oder normale Gesundheitsprüfung: Was ist besser?
Die Öffnungsaktion ist ein Sicherheitsnetz, kein Pflichtweg. Wer gesund ist, braucht sie nicht und hat bei der normalen Prüfung oft die größere Auswahl.
Wann sich die Öffnungsaktion lohnt
- bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma, Rheuma oder Herzerkrankungen,
- bei einer Behinderung oder einem hohen Behandlungsbedarf,
- nach einer psychotherapeutischen Behandlung oder schweren Erkrankung in den letzten Jahren,
- wenn mehrere Versicherer bei der Risikovoranfrage abgelehnt oder hohe Zuschläge genannt haben.
Wann die normale Prüfung besser ist
- wenn Sie gesund sind oder nur geringfügige, ausgeheilte Befunde haben,
- wenn ein nicht teilnehmender Versicherer einen für Sie besseren Tarif bietet und Sie ohne oder mit kleinem Zuschlag annimmt.
Die Antwort liefert eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern: Sie zeigt, wer Sie zu welchen Bedingungen nimmt, ohne dass ein Antrag gespeichert wird. Allgemeine Hinweise zu Zuschlägen und Ausschlüssen finden Sie unter PKV mit Vorerkrankungen.
Nach der Aufnahme gelten die normalen Regeln
Ist der Vertrag geschlossen, sind Sie ein Versicherter wie jeder andere. Wechseln Sie später innerhalb Ihres Versicherers in einen Tarif mit Mehrleistungen, darf er für diese Mehrleistungen eine Gesundheitsprüfung verlangen und dafür einen Zuschlag, einen Ausschluss oder eine Wartezeit vorsehen (Tarifwechsel nach § 204 VVG). Wählen Sie den Tarif deshalb von Anfang an so, dass er langfristig passt.
Häufige Fragen zur Öffnungsaktion
Was ist die Öffnungsaktion der PKV für Beamte?
Eine freiwillige Selbstverpflichtung vieler privater Krankenversicherer. Beamtenanfänger und ihre Angehörigen werden innerhalb von sechs Monaten nach der ersten Verbeamtung in die beihilfekonformen Tarife aufgenommen – ohne Ablehnung aus gesundheitlichen Gründen, ohne Leistungsausschlüsse und mit einem Risikozuschlag von höchstens 30 %. In der Pflegeversicherung gibt es keinen gesundheitsabhängigen Zuschlag.
Wie lange gilt die Frist für die Öffnungsaktion?
Sechs Monate ab Beginn des Beamtenverhältnisses, in der Regel ab der Ernennung. Wer als Beamter auf Widerruf im Vorbereitungsdienst gesetzlich versichert war, erhält bei der Verbeamtung auf Probe erneut sechs Monate. Nach Ablauf der Frist gelten die normalen Annahmerichtlinien mit vollständiger Gesundheitsprüfung.
Machen alle privaten Krankenversicherer bei der Öffnungsaktion mit?
Nein. Die Teilnahme ist freiwillig, und nicht alle Unternehmen beteiligen sich. Eine aktuelle Liste veröffentlicht der PKV-Verband, etwa auf beamte-in-der-pkv.de. Wichtig: Nur der Versicherer, bei dem Sie den ersten formellen Antrag stellen, ist an die Bedingungen gebunden. Holen Sie deshalb vorher unverbindliche Angebote ein.
Gilt die Öffnungsaktion auch für Ehepartner und Kinder?
Ja, für Ehe- oder Lebenspartner sowie eigene und adoptierte Kinder, sofern sie nicht in der GKV versicherungspflichtig sind und erstmals beihilfeberechtigt werden. Bei Beamten auf Widerruf gilt das nur, wenn der Beamte selbst privat versichert ist oder eine Anwartschaft hat. Später geborene Kinder versichern Sie über die Kindernachversicherung nach § 198 VVG.
Gilt die Öffnungsaktion für Beamte auf Widerruf?
Ja, seit dem 1. Januar 2019. Anwärter und Referendare können sich innerhalb von sechs Monaten nach der Verbeamtung auf Widerruf über die Öffnungsaktion versichern, häufig in einem Anwärtertarif. Waren sie im Vorbereitungsdienst gesetzlich versichert, gilt die Sechsmonatsfrist bei der Verbeamtung auf Probe erneut.
Muss ich in der Öffnungsaktion Gesundheitsfragen beantworten?
Ja. Die Gesundheitsfragen sind Grundlage für den Risikozuschlag von bis zu 30 %. Sie müssen sie vollständig und wahrheitsgemäß beantworten. Verschweigen Sie Erkrankungen, verletzen Sie die vorvertragliche Anzeigepflicht nach § 19 VVG, und der Versicherer kann je nach Verschulden zurücktreten, kündigen oder den Vertrag anpassen.
Kann ein Risikozuschlag aus der Öffnungsaktion später wegfallen?
Ja, das ist möglich. Fällt der Umstand weg, für den der Zuschlag vereinbart wurde, etwa weil eine Erkrankung ausgeheilt ist, können Sie verlangen, dass der Beitrag angemessen herabgesetzt wird (§ 41 VVG). Die Senkung gilt ab Zugang Ihres Antrags. Legen Sie aktuelle ärztliche Unterlagen bei.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- PKV-Verband: Merkblatt für Beamtenanfänger und Beamte auf Widerruf mit Behinderungen und Vorerkrankungen (Stand September 2022)
- PKV-Verband: beamte-in-der-pkv.de – Öffnungsaktion für Beamtenanfänger
- § 19 VVG – Anzeigepflicht
- § 41 VVG – Herabsetzung der Prämie
- § 198 VVG – Kindernachversicherung
- § 199 VVG – Beihilfeempfänger
- Bundesverwaltungsamt: Merkblatt Einkommensgrenze für Ehepartner (Stand Januar 2026)
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