Aktuelles
PKV-Beitragsanpassungen 2027: Was Versicherte jetzt tun können
Zum 1. Januar 2027 steigen in vielen privaten Krankenversicherungen die Beiträge: Nach Angaben des PKV-Verbands sind rund 53 % der Privatversicherten betroffen, im Durchschnitt voraussichtlich mit 13,4 %. Wer ein Erhöhungsschreiben erhält, hat mehrere Möglichkeiten – vom Tarifwechsel beim eigenen Versicherer bis zur Sonderkündigung binnen zwei Monaten.


Fachlich verantwortlich Mark Zimmermann, PKV-Experte seit 1993, Versicherungsmakler
Was über 2027 bekannt ist
Nach Angaben des PKV-Verbands müssen die Beiträge für rund 53 % der Privatversicherten zum 1. Januar 2027 steigen. Die durchschnittliche Anpassung liegt für sie voraussichtlich bei 13,4 %: in Tarifen für Beihilfeberechtigte bei 11,4 %, bei allen anderen Versicherten bei 15,3 %. Schon 2026 waren nach Branchenangaben rund 60 % der Vollversicherten betroffen, im Schnitt mit rund 13 %.
Das sind Durchschnittswerte. Ihr eigener Tarif kann unverändert bleiben oder deutlich stärker steigen; Prozentangaben einzelner Versicherer sagen wenig über Ihren Vertrag. Verbindlich ist allein das Schreiben Ihres Versicherers.
Warum steigen die Beiträge so stark?
Die Versicherungsleistungen der PKV sind 2025 um 7,1 % auf 42,1 Mrd. € gestiegen (Branchenzahlen 2025). Nach Angaben des Verbands zahlten die Versicherer für allgemeine Krankenhausleistungen fast 7,5 % mehr als im Vorjahr, für Arzneimittel rund 8 %, für Heilmittel mehr als 6,6 % und für ambulante Arztbehandlungen 6 %.
Ein Versicherer darf den Beitrag nur anpassen, wenn ein auslösender Faktor anspringt: Die Leistungsausgaben eines Tarifs weichen um mehr als 10 % von der Kalkulation ab (der Tarif kann 5 % vorsehen), oder die Sterbewahrscheinlichkeiten um mehr als 5 % (§ 203 VVG, § 155 VAG). Ein unabhängiger Treuhänder muss zustimmen. Weil ohne Auslöser keine Anpassung erlaubt ist, bleiben Beiträge oft mehrere Jahre stabil und steigen dann sprunghaft. Mehr dazu im Ratgeber PKV-Beitragserhöhung.
Fristen bei einer Beitragserhöhung
| Was | Frist | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Wirksamwerden der Erhöhung | Beginn des zweiten Monats nach Zugang der Mitteilung mit Gründen (für den 1.1.2027: Zugang bis 30.11.2026) | § 203 Abs. 5 VVG |
| Sonderkündigung | binnen zwei Monaten nach Zugang der Mitteilung, Wirkung zum Zeitpunkt der Erhöhung | § 205 Abs. 4 VVG |
| Nachweis der neuen Versicherung | binnen zwei Monaten nach der Kündigungserklärung, sonst ist die Kündigung unwirksam | § 205 Abs. 6 VVG |
| Tarifwechsel beim eigenen Versicherer | keine Frist, jederzeit möglich | § 204 VVG |
| Ordentliche Kündigung | drei Monate zum Ende des Versicherungsjahres | § 205 Abs. 1 VVG |
Maßgeblich ist der Zugang des Schreibens bei Ihnen. Stand Oktober 2026.
So gehen Sie vor, wenn das Erhöhungsschreiben kommt
Schreiben prüfen
Welche Tarife steigen, um wie viel, und welche Gründe nennt der Versicherer (Leistungsausgaben oder Sterbewahrscheinlichkeit)? Notieren Sie das Zugangsdatum.
Frist eintragen
Die Sonderkündigung ist nur binnen zwei Monaten nach Zugang möglich. Auch wenn Sie nicht kündigen wollen: Die Frist schafft Spielraum für Verhandlungen über einen Tarifwechsel.
Alternativen beim eigenen Versicherer anfragen
Der Versicherer muss bei jeder Erhöhung auf Ihr Tarifwechselrecht hinweisen; Versicherten ab 60 muss er günstigere Tarife mit gleichartigem Schutz samt Beitrag nennen, dazu Standard- und Basistarif (§ 6 Abs. 2 VVG-InfoV). Fragen Sie nach weiteren Tarifen, wenn die Liste nicht passt.
Optionen vergleichen
Tarifwechsel, höhere Selbstbeteiligung, Verzicht auf einzelne Leistungen oder ein angepasstes Krankentagegeld – rechnen Sie Ersparnis und Leistungsverlust gegeneinander.
Entscheiden
Kündigen Sie erst, wenn ein neuer Versicherer Sie verbindlich angenommen hat. Andernfalls bleibt der alte Vertrag bestehen.
Kündigen, wechseln oder bleiben?
Ein Wechsel zu einem anderen Versicherer ist für langjährig Versicherte selten die beste Lösung: Der neue Versicherer prüft die Gesundheit neu und berechnet den Beitrag nach dem aktuellen Alter. Mitnehmen lässt sich nur der Übertragungswert, und das nur bei Verträgen ab 2009 (Alterungsrückstellungen). Für junge, gesunde Versicherte mit neuerem Vertrag kann ein Wechsel dagegen eine Option sein.
Der Tarifwechsel nach § 204 VVG beim eigenen Versicherer erhält die angesparte Alterungsrückstellung; eine Gesundheitsprüfung gibt es nur für Mehrleistungen. Weitere Wege zeigt der Ratgeber PKV-Beitrag senken. Wer finanziell nicht mehr mitkommt, kann in den Standardtarif oder Basistarif wechseln, statt Beiträge schuldig zu bleiben.
Ein Trost am Rande: Höhere Beiträge zur Basisabsicherung erhöhen die absetzbaren Sonderausgaben, siehe PKV steuerlich absetzen.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- PKV-Verband: Warum 2027 die Beiträge zur Privaten Krankenversicherung steigen
- PKV-Verband: Branchenzahlen 2025 (Pressemitteilung 04.02.2026)
- § 203 VVG – Prämien- und Bedingungsanpassung
- § 204 VVG – Tarifwechsel
- § 205 VVG – Kündigung des Versicherungsnehmers
- § 155 VAG – Prämienanpassung
- § 6 VVG-InfoV – Informationspflichten bei der Krankenversicherung
Das könnte Sie auch interessieren
- Kosten & Beiträge
PKV-Beitragserhöhung 2026/2027: Gründe und Optionen
Warum PKV-Beiträge steigen, wie Sie das Erhöhungsschreiben prüfen und welche Optionen Sie haben – mit Ablauf in sechs Schritten vom PKV-Makler.Weiterlesen - Kosten & Beiträge
Tarifwechsel nach § 204 VVG: Recht, Ablauf, Fallstricke
Tarifwechsel in der PKV nach § 204 VVG: was mit Rückstellungen und Gesundheitsprüfung passiert, wie Sie beim Versicherer anfragen und welche Fallstricke drohen.Weiterlesen - Kosten & Beiträge
PKV-Beitrag senken: Die wirksamsten Wege im Überblick
Tarifwechsel, Selbstbeteiligung, Bausteine, Steuer: alle Wege, den PKV-Beitrag zu senken, nach Nutzen und Risiko geordnet – mit Tabelle und Fallstricken.Weiterlesen - Vertrag & Tarife
PKV kündigen 2026: Fristen, Sonderkündigung, Wechsel
PKV kündigen: ordentliche Frist, Sonderkündigung nach Beitragserhöhung, Kündigung bei GKV-Pflicht und was beim Versichererwechsel verloren geht.Weiterlesen - Kosten & Beiträge
PKV im Alter: Beiträge für Rentner und Pensionäre 2026
Was die PKV im Ruhestand kostet, was ab 60 und 65 wegfällt, welchen Zuschuss Rentner 2026 bekommen und wie Sie vorsorgen – mit Rechenbeispiel und GKV-Vergleich.Weiterlesen
Ihr PKV-Beitrag steigt?
Wir sehen uns Ihr Schreiben an und zeigen Ihnen, welche Wege es in Ihrer Situation gibt.

